Restless Legs Syndrom (RLS)

Restless Legs Syndrom (RLS)

Wenn Sie selbst von RLS betroffen sind, dann wissen Sie, wie quälend das nächtliche Ziehen und Kribbeln in den Beinen sein kann. Aber die schwerwiegendsten Folge des Restless Legs Syndrom sind nicht diese Schmerzen, sondern der massive Schlafmangel, der daraus folgt. Denn damit fehlt die wichtigste Möglichkeit zur körperlichen und psychischen Regeneration. Das führt zu tiefer Erschöpfung und auch zu deutlichen psychischen Veränderungen, die aggressives Verhalten, Depression, Antriebslosigkeit und anderes mehr umfassen können. Darunter leiden nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Menschen in ihrem Umfeld.

Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe selbst mehrere Jahre unter starken RLS-Symptomen gelitten. Die gute Nachricht: zumindest eine teilweise Heilung ist möglich, wie ich selbst erleben durfte. Und der Unterschied an Lebensqualität zwischen „heftige RLS-Symptome, fast jede Nacht“ und „leichte bis mittlere RLS-Symptome, ab und zu“ ist unbeschreiblich – zumal sich auch diese mittelschweren RLS-Symptome, die natürlich wertvolle Schlafqualität rauben, durch geeignete Maßnahmen nochmal deutlich reduzieren lassen (siehe unter ‚‘Selbsthilfe‘).

Auf dieser Seite erfahren Sie wichtige Fakten zum Thema ‚Restless Legs Syndrom‘ und zu den Behandlungsmöglichkeiten bei dieser Krankheit:

  • was sind die ersten Schritte, wenn Sie vermuten, an RLS zu leiden?
  • welche Symptome zeigen sich bei RLS?
  • was weiß man über mögliche Ursachen und Zusammenhänge?
  • welche Fehldiagnosen sind möglich?
  • welchen Zusammenhang zwischen RLS und psychischer Überlastung gibt es?
  • welche Massnahmen zur Selbsthilfe können Sie ergreifen?
  • Wie werden RLS-Symptome in der Schulmedizin behandelt und mit welchen Konsequenzen müssen Sie rechnen?
  • wie kann man RLS ohne Medikamente behandeln?

Ich erhalte immer wieder überregionale Anfragen von RLS-Betroffenen. In diesen Fällen bietet es sich an, die Behandlung z. B. mit einem Kurzurlaub zu verbinden – sowohl der Ammersee wie auch München sind beliebte Urlaubsziele. Eventuell besteht auch die Möglichkeit, die Behandlung zu intensivieren. So können in kurzer Zeit  oft schon deutlich spürbare Verbesserungen erreicht werden. Unter bestimmten Voraussetzungen können Folgetermine auch per Videogespräch durchgeführt werden. Senden Sie mir einfach eine Mail, wenn Sie daran interessiert sind oder Fragen dazu haben.

Für Patientinnen und Patienten, die keine Behandlung vor Ort in Anspruch nehmen können, biete ich eine telefonische Beratung und Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Therapeuten. Schicken Sie mir bei Bedarf einfach eine Mail (an buhl@psychotherapie-ammersee-muenchen.de).

Erste Schritte bei Verdacht auf RLS

Bei psychosomatischen Erkrankungen ist es wichtig, zunächst mögliche körperliche Ursachen für die Erkrankung abzuklären. Für das Restless Legs Syndrom (RLS), auch Wittmaack-Ekbom-Syndrom genannt, gilt dieser Grundsatz ganz besonders. Denn die Behandlung eines RLS, das Folge einer anderen Erkrankung ist (= sekundäres bzw. symptomatisches RLS) muss an der ursächlichen Erkrankung ansetzen, um erfolgreich zu sein. Mehr Informationen zu den Erkrankungen und Substanzen, die RLS auslösen können, erhalten Sie im nachfolgenden Abschnitt „Restless Legs Syndrom (RLS): nachgewiesene Ursachen und Zusammenhänge.“

Symptome des Restless Legs Syndrom (RLS)

Die Symptome des Restless Legs Syndrom (RLS) hören sich für Außenstehende eher harmlos an: ein unangenehmes Ziehen oder Kribbeln in den Beinen, das sich allmählich steigert, jedoch bei Bewegung wieder zurückgeht oder ganz verschwindet.

Restless Legs Syndrom (RLS): endlich wieder erholsame, regenerierende Ruhe finden

Restless Legs Syndrom (RLS): endlich wieder erholsame, regenerierende Ruhe finden

Die weitreichenden Konsequenzen erfasst man erst dann, wenn man mit einbezieht, wann diese Symptome auftreten. Die Symptome treten auf bei längerer Ruheposition, d. h. bei längerem Sitzen und vor allem beim Schlafen, bzw. besser gesagt, bei dem Versuch zu schlafen. Denn häufig ist schon das Einschlafen unmöglich. Andere RLS-Betroffene erwachen kurz nach dem Einschlafen und spüren das Ziehen, Kribbeln, vielleicht sogar Schmerzen und den zunehmenden Bewegungsdrang.

Letztendlich bleibt einem trotz der überwältigenden Müdigkeit nichts anderes übrig, als aufzustehen und sich zu bewegen oder dehnen oder massieren, was auch immer im Einzelfall am ehesten Erleichterung bringt. Wenn man sich wieder hinlegt, fängt das Ganze von vorne an. Meist halten die Beschwerden an, bis man dann irgendwann am frühen Morgen, oft erst zwischen 5 und 6 Uhr, endlich einschlafen kann.

Die Kern-Symptome des RLS sind also:

  • ein starker Bewegungsdrang der Beine, oft in Verbindung mit Schmerzen oder Missempfindungen,
  • das Auftreten dieser Beschwerden vor allem in körperlichen Ruhephasen,
  • der Rückgang der Beschwerden bei Bewegung,
  • verstärktes Auftreten der Symptome am Abend und in der Nacht.

Restless Legs Syndrom (RLS): nachgewiesene Ursachen und Zusammenhänge

Es gibt eine ganze Reihe von neurologischen, internistischen oder psychiatrischen Erkrankungen, die mit dem Restless Legs Syndrom in Verbindung gebracht werden. Meist ist dabei nicht klar ob es sich beim RLS um eine Folgeerkrankung handelt oder ob RLS ursächlich mit dieser Erkrankung verbunden ist. Diese Erkrankungen sollten beim Verdacht auf RLS als erstes beim Hausarzt oder entsprechenden Fachärzten abgeklärt werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Polyneuropathien (Erkrankungen des peripheren Nervensystems)
  • Spinale Erkrankungen (Erkrankungen der Wirbelsäule), wie z. B. Wurzelreizsyndrom
  • Parkinson-Syndrom
  • Eisenmangel
  • Urämie (ungenügende Nierenfunktion)
  • Entzündliche Darmerkrankungen
  • Lungenerkrankungen
  • Leukämie
  • Depression
  • Angsterkrankungen
  • ADHS

Aber auch verschiedene Medikamente stehen im Verdacht, Restless Legs Syndrom (RLS) zu verursachen oder zu verstärken. Dazu gehören unter anderem

  • Antidepressiva (was besonders gravierend ist, da Depressionen im Zusammenhang mit RLS gehäuft auftreten)
  • Metoclopramid (ein Magenmedikament)
  • Medikamente gegen Schilddrüsenunterfunktion
  • Dopaminantagonisten, wie z. B. bestimmte Neuroleptika/Antipsychotika; hier muss jedoch unterschieden werden ob tatsächlich ein Restless Legs Syndrom vorliegt oder eine Akathisie, d. h. eine Bewegungsunruhe, die insbesondere die unteren Extremitäten betrifft. Im Gegensatz zum Restless Legs Syndrom bessert sich das Befinden hier aber nicht bei Bewegung.

Mögliche Fehldiagnosen bei Restless Legs Syndrom

Besondere Aufmerksamkeit verdient das Ergebnis einer finnischen Forschergruppe von 2014/15. Diese hat festgestellt, dass die RLS-Beschwerden einen engen Zusammenhang mit einer verminderten Sauerstoffsättigung in der betroffenen Wadenmuskulatur aufweisen, wahrscheinlich aufgrund mikrovaskulärer Probleme. Dabei konnte jedoch keine Aussage darüber getroffen werden, was Ursache und was Folgewirkung ist. Sollte jedoch die unzureichende Sauerstoffversorgung ursächlich sein, kann man davon ausgehen, dass diese Fälle bisher auch als primäres Restless Legs Syndrom diagnostiziert wurden. Denn bisher gilt das Ansprechen eines RLS-Patienten auf dopaminerge Substanzen als ‚Beweis‘, dass es sich um primäres Restless Legs Syndrom handelt. Dopamin fördert jedoch auch die Durchblutung der subkutanen Fettschicht und der peripheren Muskulatur fördert. Deshalb könnte in diesen Fällen auch ein sekundäres Restless Legs Syndrom vorliegen, welches aus der unzureichenden Durchblutung der Wadenmuskulatur resultiert.

Psychische Überlastung als Restless Legs Syndrom (RLS)-Ursache

Die Ursachen des primären RLS sind bis heute nicht geklärt. Man weiß, dass bei einem primären Restless Legs Syndrom die Basalganglien eine zentrale Rolle spielen. Die Basalganglien sind eine Unterstruktur des Neocortex, also einem Teil der Großhirnrinde. Diese spielt bei der Weitergabe von Bewegungsimpulsen der Großhirnrinde an die eigentlichen motorischen Zentren eine zentrale Rolle.

Aktuelle (2017) neurobiologische Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Basalganglien bei psychischer bzw. emotionaler Überlastung diese Bewegungsimpulse nicht weitergeben können. Die Bewegungsimpulse bleiben quasi in den Basalganglien ‚eingefroren‘. Anders ausgedrückt: eine Situation ist eigentlich ‚zum Davonlaufen‘. Weil die Situation aber so überwältigend, so hoffnungslos ist, verharrt man bewegungslos, wie gelähmt, in der Situation. Das Restless Legs Syndrom kann in diesem Zusammenhang als verspätete Entladung dieses ‚eingefrorenen‘ Bewegungs-Impulses interpretiert werden.

Medikamente bei Restless Legs Syndrom (Schulmedizinisches Behandlungsprotokoll)

Medikamentös wird primäres Restless Legs Syndrom vor allem mit dopaminergen Substanzen behandelt. Das sind vor allem L-Dopa oder niedrig dosierte Dopaminagonisten. Die erwünschte Wirkung dieser Medikamente hält bei vielen Patienten jedoch nicht an.

Die wichtigste Nebenwirkung bei dopaminergen Medikamenten ist die sogenannte Augmentation. Das bedeutet, dass die RLS-Symptome im Tagesverlauf früher und / oder zusätzlich auch in anderen Körperpartien, insbesondere in den Armen auftreten. Daneben können noch Herzklappenveränderungen und die typischen Nebenwirkungen von dopaminergen Substanzen auftreten. Dazu gehören zu niedriger Blutdruck, Orthostase (mangelnde Fähigkeit, bei Lageveränderung, also Aufstehen oder Hinlegen den Blutdruck anzupassen), Bewegungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen, Psychosen oder auch Suchtverhalten.

Neben dopaminergen Substanzen kommen auch Benzodiazepine und Opiate zum Einsatz; beide Substanzgruppen haben ein extrem hohes Abhängigkeitspotential.

Selbsthilfe bei Restless Legs Syndrom

Wegen der häufigen Nebenwirkungen wünschen sich die meisten Betroffenen eine Restless Legs Syndrom-Behandlung ohne Medikamente. Aber zunächst stellt sich die Frage: was kann man selbst tun, um die RLS-Beschwerden zu lindern?

In manchen Fällen hilft der Verzicht auf Alkohol und Koffein. Auch Massagen, Dehnungsübungen, Fußbäder oder Wechselduschen sowie eine gute Schlafhygiene können sehr hilfreich sein.

In meinem Fall waren diese Maßnahmen jedoch wenig hilfreich. Am meisten bewirkt haben die abendlichen und nächtlichen Dehnungsübungen. Diese konnten die RLS-Symptomatik jedoch meistens nur für wenige Minuten zurückdrängen.

Wenn Sie selbst von RLS betroffen sind, werden Sie gut verstehen, dass man viele unterschiedliche Dinge ausprobiert, um die Beschwerden zu lindern. Ich hatte das Glück, eine Ayurveda-Ernährungs-Beraterin (beratung-ayurveda-ernaehrung.de) – mit der ich heute eine Praxisgemeinschaft in München habe – um Rat zu fragen. Sie hat mir ein auf meinen Konstitutionstyp (nach Ayurveda) abgestimmtes Öl zum Einmassieren und eine Kräutermischung zur Entspannung empfohlen hat. Die Wirkung übertraf alles andere, was ich bis dahin versucht hatte.

Eine langfristige Reduzierung der Beschwerden ist dann eingetreten, als ich die im folgenden Abschnitt (Behandlung ohne Medikamente) geschilderte Behandlung durchgeführt habe.

Restless Legs Syndrom (RLS) – Behandlung ohne Medikamente

Auch ich habe unter RLS gelitten, ohne dass mir das in den ersten Jahren bewusst war. Das wiederkehrende unangenehme Ziehen in den Beinen, die Schlaflosigkeit, die Müdigkeit am Morgen danach oder spätestens zur Mittagszeit, …

Die behandelnde Ärztin in der RLS-Spezialambulanz hat mir den Rat gegeben, die medikamentöse Therapie möglichst lange hinaus zu zögern. Im Nachhinein bin ich für diesen Rat sehr, sehr dankbar. Denn erst später habe ich von anderen Fachärzten erfahren, dass die Wirkung oft nicht lange anhält. Und dass die ohnehin schon stark eingeschränkte Lebensqualität im Verlauf der Behandlung nochmals deutlich vermindert werden kann, habe ich damals auch nicht gewusst.

Im Rahmen meiner eigenen psychotherapeutischen Ausbildungen habe ich mich dazu entschieden, das RLS mit verschiedenen Therapie-Ansätzen zu ‚bearbeiten‘. Es war ein enbeschreiblich großer Gewinn an Lebensqualität, als das RLS nach einiger Zeit deutlich zurückgegangen ist. Der Prozess dahin verlief nicht gleichmäßig, sondern in Etappen.  Die Symptome des RLS haben sich während der Therapie zunächst mehrfach verändert, bevor es letztendlich weitgehend zurückgegangen ist. Ich vermute, dass das darauf zurück zu führen ist, dass verschiedene Überlastungs-Erfahrungen sich zu dem Restless Leg Syndrom addiert hatten.  Im Abschnitt „Psychische Überlastung als Restless Legs Syndrom (RLS)-Ursache“ erfahren Sie mehr darüber, was in diesem Zusammenhang die neurobiologische Basis für ein RLS sein könnte. Dieser Zusammenhang erklärt außerdem das Ansprechen der RLS-Symptome auf psychosomatisch orientierte Interventionen.

Die Arbeit mit meinen Patientinnen und Patienten hat mir folgendes verdeutlicht: Es gibt unterschiedliche RLS-Erscheinungsformen – und offensichtlich auch unterschiedliche RLS-Auslöser. Diese müssen auch unterschiedlich behandelt werden, damit die Therapie erfolgreich sein kann.

Mein persönlicher Rat für RLS-Betroffene: bei primärem Restless Legs Syndrom (RLS) empfiehlt es sich, zunächst eine geeignete psychotherapeutische Behandlung in Erwägung zu ziehen. Denn die teilweise heftigen Nebenwirkungen der RLS-Medikamente (Augmentation) sind nicht zu unterschätzen. Überdies zeigt sich im Regelfall schon nach sehr wenigen Behandlungen, ob die Symptomatik auf die drauf abgestimmte psychotherapeutische Behandlung anspricht.

Wenn Sie mehr zu einer Restless Legs Syndrom-Behandlung ohne Medikamente erfahren wollen oder andere Fragen in diesem Zusammenhang haben, schicken Sie mir einfach eine Mail oder rufen mich an. Die Behandlungstermine können in Diessen am Ammersee oder in München durchgeführt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen sind Folgetermine auch per Videogespräch möglich.