Traumatherapie

Trauma – Trauma-Symptome – Traumatherapie

Trauma

Was bedeutet es, traumatisiert zu sein? Entweder ist man in einem erhöhten ‚Alarmzustand‚, oder man ist ‚abgeriegelt‚ (shut down), d. h. man spürt sich nicht mehr und kann keinen guten Kontakt zu anderen Menschen aufbauen. Auf der Seite psychosomatische Beschwerden ist eine vereinfachte Erklärung der physiologischen Hintergründe dieser Vorgänge. Häufig treten diese Zustände im Wechsel auf und hinterlassen deutliche Belastungsspuren in der körperlichen Gesundheit und im sozialen Miteinander. Die gute Nachricht: in den letzten Jahrzehnten haben sich die Erkenntnisse über die Wirkungszusammenhänge massiv erhöht. Dadurch haben sich auch die Behandlungsmöglichkeiten dank moderner Traumatherapie-Verfahren deutlich verbessert.

Auf dieser Seite können Sie sich darüber informieren

  • anhand welcher Symptome Sie Traumata erkennen können,
  • welche Ursachen zu Traumata führen können und
  • wie Traumatherapie helfen kann.
  • Sie erfahren auch, wie man Traumata früher beurteilt hat
  • und wie sich diese Sichtweise in den letzten Jahren verändert hat.

Zum potentiellen Trauma-Symptom werden die körperlichen und psychischen Veränderungen erst dann, wenn sie nicht zur jeweiligen Situation passen:

  • Wenn Sie ein paar Stockwerke über die Treppe hochgegangen sind, ist es völlig normal, einen erhöhten Puls und beschleunigte Atmung zu haben. Tritt das gleiche Phänomen jedoch abends im Fernsehsessel auf, könnte es sich um ein Trauma-Symptom handeln.
  • Wenn Sie in Ihrem neuen Arbeitsteam oder in der Reisegruppe ein Zeit lang das Gefühl haben, nicht dazu zu gehören, ist dies sehr verständlich. Wenn dieses Gefühl allerdings Ihr ständiger Begleiter ist, könnte dies ein Hinweis auf ein Entwicklungstrauma sein.

Trauma-Symptome

Mögliche Symptome einer Sympathikus-Übererregung:

  • Körperlich:
    • erhöhter Puls oder beschleunigte Atmung,
    • erhöhte Muskelanspannung,
    • kalter Schweiß,
    • Missempfindungen auf der Haut (z. B. Kribbeln),
    • Schlafstörungen,
    • Verdauungsstörungen (Verstopfung);
    • verstärkte Schreckreaktion;
    • vermutet wird auch ein Zusammenhang mit Allergien und Unverträglichkeiten;
  • Psychisch:
    • erhöhte Wachsamkeit,
    • rasende Gedanken, wiederkehrende Sorgen,
    • Wutanfälle,
    • Angst- und Panikattacken;
    • erhöhte Lärmempfindlichkeit und / oder Probleme die Stimmen anderer Menschen zu verstehen;

Wegen der Belastungen greifen Betroffene häufig zur ‚Selbsthilfe‘ in Form von Alkohol und anderen betäubenden Suchtmitteln oder Medikamenten. Allerdings verschaffen diese Substanzen nur kurzzeitig Linderung der Beschwerden und verursachen in der Folge zusätzliche Probleme.

Mögliche Symptome einer Parasympathikus-Übererregung:

  • Körperlich:
    • mangelnde Energie, Erschöpfung,
    • niedriger Muskeltonus,
    • reduzierte Pulsfrequenz, niedriger Blutdruck,
    • Immunabwehr herabgesetzt (häufige Infekte),
    • Taubheitsgefühle,
    • Verdauungsstörungen (Durchfall);
  • Psychisch:
    • Apathie,
    • sozialer Rückzug,
    • verlangsamte Reaktionen,
    • Dissoziation,
    • depressive Stimmung;
    • Benommenheit, Gleichgewichtsstörungen;
    • unerklärliche Scham- oder Schuldgefühle;
    • Gefühl der Hilflosigkeit oder niedriges Selbstwertgefühl;
    • Gefühl nicht dazu zu gehören oder Angst, verlassen zu werden;

Ergänzend kommen dann noch die Symptome hinzu, die beim Antriggern einer ‚dissoziativen Kapsel‘ auftreten können. Dies sind z. B. Angstzustände, Flashbacks, … Wie das individuelle Stress-System reagiert, hängt dabei stark davon ab, ob es bereits ungünstige Vorerfahrungen gibt.

Die Symptome treten im Regelfall meist erst Tage, Wochen oder Monate nach dem Ereignis auf. Vielleicht tauchen diese Symptome aber auch erst Jahre später im Zusammenhang mit einem ‚harmlosen‘ Unfall auf.

Trauma-Ursachen

Grundsätzlich kann jede Situation,

  • in der Lebensgefahr besteht,
  • keine oder nur noch eingeschränkte Kontrolle besteht bzw.
  • ein Gefühl des Ausgeliefertseins vorherrscht,

starke Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Zu diesen Situationen gehören:

  • körperliche Ereignisse, wie z. B. Stürze, Unfälle, sexuelle und andere Gewalterfahrungen, medizinische Eingriffe, lebensbedrohliche Erkrankungen,
  • Naturkatastrophen,
  • von Menschen verursachte Katastrophen, wie z. B. Krieg, Folter oder Terrorattacken,
  • Ereignisse mit einer hohen emotionalen Belastung, wie. Z. B. Trennungen, Arbeitsplatzverlust, Verlust eines nahen Menschen,
  • Entwicklungs-Traumata, also überfordernde Situationen, die während der Kindheit und Jugend auftreten. Da Kinder auf die Unterstützung ihrer Bezugspersonen angewiesen sind, stellt sich bei ihnen das Gefühl von hilflosem Ausgeliefertsein viel schneller und stärker als bei Erwachsenen ein, wenn sie vernachlässigt oder Opfer von körperlicher und seelischer Gewalt werden.

Wie stark sich eine solche Situation auf Betroffene auswirkt, hängt nicht nur vom Ereignis selbst ab, sondern auch stark von der individuellen psychischen Widerstandskraft, der Resilienz. Als Faustregel kann man jedoch feststellen, dass von anderen Menschen verursachte Traumen meistens schwerwiegendere Folgen haben als beispielsweise Naturkatastrophen.

Traumatherapie

In den letzten Jahren haben die Erkenntnisse über die Trauma-Entstehung massiv zugenommen. Und auch die Traumatherapie-Verfahren haben sich deutlich weiterentwickelt. Moderne Traumatherapie-Verfahren, wie z. B. Somatic Experiencing oder Brainspotting, sind deutlich effektiver und erreichen das Behandlungsziel in wesentlich kürzerer Zeit.

Eine Traumatherapie ist sinnvoll, wenn Sie einige der oben genannten Symptome bei sich erkennen und körperliche Ursachen ausgeschlossen sind. In diesem Fall hilft Traumatherapie, die Symptomatik zu reduzieren oder sogar wieder Symptom-frei zu werden. Wenn Sie einen Unfall hatten, kann eine Traumatherapie Sie wirkungsvoll dabei unterstützen, Symptom-frei zu bleiben. Aber Traumatherapie kann auch prophylaktisch, also vorbeugend eingesetzt werden. Dies ist z. B. ratsam, wenn Ihnen eine schwere Operation bevorsteht.

Trauma ist nicht gleich Trauma. Traumata haben die Tendenz, sich miteinander zu verbinden. Das heißt, dass ein Autounfall viel gravierende Nachwirkungen haben kann, wenn es beispielsweise vorangehende Unfälle gegeben hat oder Entwicklungstraumata vorliegen. Dies stellt sich im Regelfall erst im Verlauf der Therapie heraus. Dementsprechend kann die eine Therapie schon nach sehr wenigen Terminen erfolgreich abgeschlossen werden, während eine andere Therapie mehr Zeit benötigt.

Die Traumatherapie kann entweder in München oder in Diessen am Ammersee durchgeführt werden. Wenn Sie eine Traumtherapie in Anspruch nehmen wollen oder Fragen dazu haben, senden Sie mir einfach eine Mail, damit wir einen Termin für ein telefonisches Vorgespräch abstimmen können.

Trauma und Überlastung … nach früherer Sichtweise

Im offiziellen Diagnose-Manual der Weltgesundheitsorganisation (ICD 10) wird eine klare Grenze gezogen zwischen post-traumatischer Belastungs-Störung (PTBS) und Anpassungsstörung. Diese klare Trennung betrifft nicht nur die Symptomatik, sondern auch das auslösende Ereignis.

Kennzeichnend für die post-traumatische Belastungs-Störung ist das wiederholte Erleben des traumatischen Ereignisses in sich aufdrängenden Erinnerungen (Flashbacks). Dies ereignet sich vor dem Hintergrund eines anhaltenden Gefühls des Betäubtseins und von emotionaler Stumpfheit. Ausgelöst wird PTBS lt. ICD 10 durch Situationen außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes.

Bei der Anpassungsstörung stehen hingegen depressive Stimmung und Angst im Vordergrund. Häufig haben diese eine enge Verbindung zu dem Gefühl, nicht zurecht zu kommen. Auslöser für eine Anpassungsstörung sind beispielsweise Zustände von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung. Das können u. a. sein:

  • entscheidende Lebensveränderungen (z.B. Arbeitslosigkeit, Eintritt in den Ruhestand),
  • ein belastendes Lebensereignis (z.B. Tod eines nahestehenden Menschen) oder
  • (die Möglichkeit) eine(r) schwere(n) Erkrankung sein.

Trauma und Überlastung … nach aktueller Sichtweise

Traumatherapie: Orientierung finden, wieder festen Halt gewinnen, überfordernde Erlebnisse integrieren

Traumatherapie: Orientierung finden, wieder festen Halt gewinnen, überfordernde Erlebnisse integrieren

Eine Reihe von Studien, wie z.B. 1998 von Yehuda, McFarlane, Shalev, widerlegen jedoch diese Annahmen über einen engen Zusammenhang von (objektivem) Belastungsausmaß und gesundheitlicher Folge. Bei dieser Studie wurden Unfall-Opfer untersucht, die in Notfall-Aufnahmen eingeliefert und behandelt wurden. Erfreulicherweise gab es bei einer erheblichen Anzahl der Unfallopfer nach einem halben Jahr keine psychischen Folgebelastungen (zwischen 40% und 66%). Hingegen wurden bei den übrigen Unfallopfern nach einem halben Jahr PTBS, Depressionen und/ oder Angststörungen diagnostiziert. Jedoch hatte die Schwere des Unfalls keinen Einfluss darauf, ob und welche dieser psychischen Folgen sich entwickelte. Stattdessen war es tendenziell eher die individuelle Stress-Reaktion, die darauf Einfluss hatte: Bei den Unfall-Opfern, deren Stress-System in einem ‚Daueralarm‘-Zustand war (erhöhter Cortisol-Spiegel), entwickelten sich eher Depressionen und/oder Angststörungen. Bei den Patienten hingegen, die im dissoziativen Zustand waren (reduzierter Cortisol-Spiegel), entwickelte sich eher eine PTBS. Dabei traten Angststörungen und Depressionen etwa doppelt so häufig auf wie PTBS.

Dies sind wichtige Erkenntnisse für die Traumatherapie. Vor allem unterstützen sie die Vorgehensweise moderner Traumatherapie – Verfahren wie Somatic Experiencing oder Brainspotting. Denn diese orientieren sich vor allem an den subjektiven Folgewirkungen von Traumata.